Wirtschaft
Veröffentlicht vor 9 Monate, 1 Woche

Wachstum für Familienunternehmen

Mit Mut und Augenmass

Obwohl der Euro auf einem Rekordtief ist, ist die Nachfrage nach Schweizer Leistungen ungebrochen. Die Wirtschaftsentwicklung verläuft solide und weiterhin wird mit einem Wachstum von 2% gerechnet. Andererseits mehren sich die Anzeichen, dass 2012 eine Abschwächung zu erwarten ist und erstmals die Arbeitslosigkeit wieder steigen dürfte.Nahezu ein Drittel aller Insolvenzen wird durch zu starkes Wachstum in den Vorjahren ausgelöst. Wachstum ist gesund, wenn es eine Folge der Verbesserung der Marktstellung ist, und wenn mit steigenden Umsätzen auch die Gesamtproduktivität zunimmt. Nur 20 Prozent der Unternehmen wachsen „gesund“ und steigern gleichzeitig den Wert (Studie A.T. Kearney 2004). Diese Resultate stammen aus einer 14-jährigen Studie mit 29’000 Unternehmen weltweit.

Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wachstum

Unternehmen behindern sich oft selbst. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass in vielen Fällen drei interne Faktoren die Wachstumsmöglichkeiten begrenzen:

1. Strategische Mängel, 2. Organisation und Führung, 3. Operative Defizite und Kompetenzlücken.
Wachstum benötigt Richtung. Deshalb ist es essentiell, zunächst die Grundlagen für „richtiges und gesundes“ Wachstum zu prüfen bzw. zu schaffen.

Vier Felder sind zu betrachten:

  • Ist ein klares Unternehmensleitbild formuliert? Können sich die Mitarbeiter mit der Vision identifizieren? Mit welcher Mission soll dieses Zukunftsszenario erreicht werden? Welchen Nutzen möchte das Unternehmen stiften? Unterstützt das Wertesystem die Zielsetzungen?
  • Wird das Umfeld systematisch analysiert? Welche für das Unternehmen relevanten Trends müssen beachtet werden? Wie sind die Wettbewerber aufgestellt? Wohin entwickeln sich die Kundenstrukturen?
  • Welches sind die eigenen Stärken und Schwächen? Mit welchen Massnahmen soll die Situation verbessert werden?
  • Welche Kernkompetenzen und Wettbewerbsvorteile sind heute vorhanden? Welche werden zur Umsetzung einer Wachstumsstrategie morgen benötigt?

Zehn Punkte für erfolgreiches Wachstum

Unternehmen können durch vier strategische Ansätze wachsen: durch Verdrängung, Kooperationen, Zukäufe und Innovationen. Die erfolgreiche Ausarbeitung und Umsetzung einer Wachstumsstrategie wird aber nicht nur von deren Inhalten bestimmt, sondern vor allem durch die Beachtung von „parallelen“ Themenfelder.

Erschliessung neuer Geschäftsfelder

Märkte für Produkte und Dienstleistungen wandeln sich radikal. Musik aus dem Internet versus CD ́s, oder vom Film zur Digitalfotografie belegen eindrücklich die fundamentalen Veränderungen. Die rechtzeitige Erschliessung neuer Geschäftsfelder ist oft ein Muss für manche Unternehmen. Nur wer in der Lage ist, diese Veränderungsprozesse zu antizipieren, und mutig genug ist, zu reagieren, vermeidet Stagnation und Rezession.

Neue Geschäfte – hohes Risiko

Je weiter eine Innovation oder ein neues Geschäftsfeld inhaltlich vom bestehenden Geschäft entfernt ist, desto höher ist das Risiko. Unternehmen müssen Fähigkeiten entwickeln, neue Geschäfte aufzubauen und die Risiken zu managen. Neue Aktivitäten haben häufig „experimentellen Charakter“. Die Annäherung an die optimale Lösung erfolgt nach dem „trial and error“-Prinzip. Dies erfordert ein Umdenken in Strukturen und Prozessen. Kulturen, die auf null Fehler programmiert sind, werden neue Ansätze zu schnell kritisch hinterfragen, verbunden mit einer vorzeitigen Einstellung des Projektes.

Mitarbeiter als Engpass

Während Firmen oft auf standardisierte und berechenbare Prozesse und Geschäfte ausgerichtet sind, sind Neugeschäfte meistens von einer völlig anderen Struktur und Logik. Ein Geschäftsfeld neu zu entdecken oder eine Branche neu zu interpretieren, benötigt Menschen, die Regeln brechen und quer denken.

Die richtigen Manager

Unterschiedliche Entwicklungsphasen von Unternehmen erfordern unterschiedliche Fähigkeiten des Managements. In innovativen Phasen werden andere Fähigkeiten benötigt als in der Reifephase. Visionäre und „Querdenker“ sind wesentlich für die Innovationsphase. In der Phase von Expansion und Integration aber sicher nicht die optimale Besetzung.

„Betrachtet man die Champions unter den Familienunternehmen, dann bestimmt neben Mut und Augenmass vor allem die konsequente Umsetzung den Erfolg von Wachstumsstrategien.“

Qualifizierte Mitarbeiter

Neue strategische Ziele erfordern die Weiterentwicklung der Mitarbeiterkompetenzen – „qualification folllows strategy“! Die individuellen Fähigkeiten müssen zwingend an das neue Anforderungsniveau angepasst werden.
Geduld und KonsequenzWachstumskonzepte benötigen Zeit in der Erprobungsphase und sind oft schwer zu bewerten. Erfahrungsgemäss benötigen Neugeschäfte etwa fünf Jahre, um Gewinne abzuwerfen – viele erreichen diese Phase mangels Ausdauer nicht.

Operative Exzellenz, 10:90

Eine Faustregel besagt, dass die Erarbeitung einer Konzeption nur um die 10 Prozent zu deren Erfolg beiträgt. Viele Unternehmen fühlen sich aber bereits nach der Konzept-erarbeitung als erfolgreich. Die Konzentration der Kräfte wird reduziert. Dabei müssen Führungskräfte alle Anstrengungen in die Umsetzungsphase legen und die Mitarbeiter entsprechend führen. Das Ziel ist erst erreicht, wenn die definierte Ziellinie „überschritten“ ist!

Neue „Babys“ benötigen Unterstützung

In Unternehmen wird die Erschliessung neuer Geschäftsfelder zu Beginn oft mit grossem Enthusiasmus begrüsst. Fehlende Klarheit hinsichtlich der organisatorischen Einbindung und Sinnhaftigkeit neuer Aktivitäten können zu mangelnder Akzeptanz führen und so das Wachstum behindern. Die Herausforderung ist, die richtige Balance zwischen Identität und Integration für Wachstum zu finden.

Die Trüffelschwein-Strategie

Die Identifizierung der offensichtlichen und „wahren“ (verdeckten) Kundenbedürfnisse ist der zentrale Ausgangspunkt für erfolgreiches Wachstum. Vertrieb und Marketing sollten wie „Trüffelschweine“ danach suchen. Erfolgreiche Unternehmen lösen zentrale Kundenprobleme immer sichtbar besser als andere.

Kennzahlen für Neugeschäfte

Zur Kontrolle von Risiko und konsequenter Umsetzung erfordern Wachstumsstrategien zusätzliche Kennzahlen. Diese ergänzen das Unternehmenscockpit, mit dem das „Standardgeschäft“ gesteuert wird.

Kontaktinfo

Monika Domeisen

Name Monika Domeisen
Firma Weissman Suisse AG
Adresse Limmatquai 84

CH-8001 Zürich
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