Management
Veröffentlicht vor 2 Monate, 2 Wochen

Typ- oder Verhaltensgerecht kommunizieren

Menschen drängen in einen vollbesetzten Aufzug. Eine Person steigt ein und will mittels des „Tür zu Drückers“ die Tür schnell schliessen, schliesslich nimmt man den  Aufzug um schnell nach oben zu kommen. Die andere Person lässt den Kollegen einsteigen und sagt:» Einer passt immer noch rein». Die andere Person wechselt ständig zwischen den beiden Aufzügen hin und her, während eine andere Persönlichkeit die Menschen im Aufzug zählt und da die Anzahl der zulässigen Personen überschritten ist, bittet sie jemanden zum Verlassen des Aufzugs. Wir können also vier total unterschiedliche Verhaltenstypen beobachten. Sie sind so unterschiedlich wie die Krawatten.


Auch in unserem Kommunikationsverhalten sind uns unterschiedliche Typen durchaus bewusst. In der Kommunikationstheorie geht man davon aus, dass die entscheidende Information beim Empfänger ankommen muss. Also nicht was gesagt wird ist das Entscheidende, sondern wie es vom Empfänger aufgenommen wird. Noch so gut gemeinte Ratschläge können vom Empfänger auf die Goldwaage gelegt und entsprechend interpretiert werden. Dass darin die Wurzel der Missverständnisse zu sehen ist und deren Konfliktfolgen ersichtlich sind, liegt auf der Hand.

Wir alle haben schon erlebt, dass eine gleich lautende Aufforderung oder Anweisung an verschiedene Kollegen zu unterschiedlichen Handlungen führte.

Vor über 30 Jahren hat der Kommunikationsexperte und Psychologe William Moulton typische Verhaltensmuster bei Menschen entdeckt. Der Psychologe John G. Geier entwickelte aus den Überlegungen Marstons eine Typologie und einen selbstbeschreibenden Persönlichkeitstest.

Er legte damit den Grundstein für eine wirksame Methode, Verhaltenstypen zu bestimmen. Inzwischen ist dieses millionenfach bewährte Tool hilfreich, damit Menschen ihr eigenes Verhalten noch besser meistern, die Kommunikation verbessern und die Zusammenarbeit mit anderen optimieren.

Die vier Verhaltenstypen bilden eine Art Muster, die bei jedem Menschen unterschiedlich zusammen gestellt sind.

Natürlich hat jeder Mensch seinen persönlichen Stil bei der die Dimensionen  D – i – S – G alle in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind. Kennt man seine primäre Tendenz, kann insbesondere bei einer Kommunikation oder einer Verhandlungsposition noch wirkungs- und verständnisvoller reagiert werden.

Einfluss nehmende Kommunikationspartner erkennen die Dominanz der Gesprächspartner. Dadurch können Sie Ihre Argumentation und ihre Kommunikationsverhalten Erfolg versprechend einbringen.

So mancher Personalchef wird von seinem Abteilungsleiter gefragt, was er sich wohl dabei gedacht hat diesen «Typen» einzustellen. Das kann zum Beispiel in einer Entwicklungsabteilung daran liegen, dass in dieser Gruppe Menschen gewissenhaft - stetigen Dimensionen stark vertreten sind. Dann erscheint ein neuer Kollege, der sehr dominant auftritt. Durch sein natürliches Verhalten provoziert er unbewusst unnötige Konflikte.

Erfolgreiche Projektgruppen und Teams zeichnen sich insbesonders dadurch aus, dass die Kommunikation stimmt. Bezugnehmend auf die Verhaltensmuster ist es deshalb hilfreich, bei Teambildungen darauf zu achten, dass alle Dimensionen D – i – S – G angemessen vertreten sind.

Praktische Anwendungen.

Führungskräfte wissen, dass sie mit unterschiedlichen Typen zurechtkommen müssen. Dass diese unterschiedlichen Menschen auch andere Bedürfnisse in der Kommunikation erwarten, wird an nachfolgendem Beispiel deutlich.

Eine Führungskraft gibt eine Anweisung zur Ausarbeitung eines Vorschlages zum Thema Betriebsausflug. Wie werden die Kollegen „Herr D.“, „Herr I.“, „Herr S.“ und „Herr G.“ der Aufgabe annehmen?

Der Kollege D. fragt noch nach dem Budget und wer ihm stellvertretend zur Seite stehen soll. Lässt sich einen Termin geben, bei dem er seinen Vorschlag präsentiert:

«Chef, ich habe mir genau überlegt, dass wir in den letzten Jahren immer etwas anderes den Mitarbeitern geboten haben. Deshalb habe ich mir auch für dieses Jahr etwas Neues einfallen lassen.

  • Abfahrt 7:30 mit dem Bus nach Astadt.
  • Wir machen dort eine zweistündige Wanderung.
  • Versandabteilung organisiert das zweite Frühstück.
  • Zum Mittagessen sind wir im Gasthof Ochsen.
  • Vor dem Dessert können Sie Ihre Ansprache halten.
  • Besichtigung der Schokoladenfabrik ab 14:30 Uhr
  • Rückfahrt 16:00 Uhr und Ankunft am Firmengelände gegen 17:30 Uhr

„Gut Herr D. «, Sagt der Chef. „Das sieht durchdacht aus, das machen wir so!»

„Einen tollen Chef haben wir, versteht sofort was Sache ist“, erzählt der Herr  D. seinen Kollegen

Der Kollege I. ist begeistert den Betriebsausflug zu organisieren und lässt sich auch einen Termin geben, bei dem er seinen Vorschlag präsentiert.

„Mir hat in den letzten Jahren immer gefallen, wenn wir die Möglichkeit hatten miteinander etwas zu unternehmen. Deshalb schlage ich vor, dass wir in diesem Jahr eine Schokoladenfabrik besichtigen. Der Genuss der Schokolade wird uns gut tun, und den Betriebsausflug noch zusätzlich versüssen.

Ich habe auch an Abwechslung gedacht so dass wir mit dem Bus in die Nähe der Schokoladenfabrik fahren, eine kleine Wanderung machen und nach dem Mittagessen die Firma besichtigen. Am Vormittag können wir zusammen Spass haben

und uns auch mal über Dinge unterhalten die nicht im Zusammenhang mit der Arbeit stehen. Ich hab schon mit ein paar Kollegen gesprochen die total begeistert sind und bei der Organisation und Umsetzung einiger Highlights dabei sind.“

„Toll Herr I.“, sagt der Chef, «schön, dass Sie an das leibliche Wohl der Kollegen und Kolleginnen gedacht haben. Ich weiss, es ist nicht immer ein Zuckerschlecken unsere gesetzten Ziele zu erreichen! Sie organisieren das, ich verlasse mich auf Sie!“

„Der Chef war auch begeistert,“ erzählt Herr I. seinen Kollegen.

Der Kollege S. weiss wie lange er Zeit hat und wann der Chef den Vorschlag haben will und macht sich an die Organisation. Er berichtet: „Ich habe mit verschiedenen Abteilungen ein Gespräch geführt. Manche sind der Meinung, dass wir unseren diesjährigen Betriebsausflug dazu nutzen sollten, eine Firma zu besuchen. Mehrere Kollegen haben die Schokoladenfabrik in A. vorgeschlagen. Ich hab es noch nicht mit allen Abteilungen abgestimmt, aber es scheint, dass der Vorschlag eine Mehrheit gefunden hat,  am Vormittag noch etwas gemeinsam zu unternehmen, um dann nach dem Essen bei der Schokoladenfabrik die Besichtigung zu machen. Dabei Chef haben Sie auch die Möglichkeit, wie in jedem Jahr, ihren kurzen Ausblick für das restliche Jahr zu geben. Viele Kollegen wollen 17:30 zurück sein. Was meinen Sie Chef, wäre das ein Konzept für einen gelungenen Betriebsausflug?!“

„O.K. Herr S.“ „Haben Sie auch mit den Damen aus der Spedition gesprochen?“  „Ja, Ja das habe ich!“ „Ich schau mir Ihren Vorschlag in Ruhe an und geb Ihnen Bescheid wie wir das dann machen.»

„Einen tollen Chef haben wir“, meint Herr S. Zu seinen Kollegen, „er schaut sich meinen Vorschlag an und wird in den nächsten Tagen entscheiden.“

Aufgeregt über eine so unpräzise Aufgabe wird auch Herr G. nach 21 gestellten Fragen einen Termin vereinbaren und seinen Vorschlag präsentieren.

“87.5 % der Belegschaft nehmen im Durchschnitt an unseren Betriebsausflügen teil. Sicher werden auch in diesem Jahr nicht alle mitkommen. Mit einem kleinen Fragebogen habe ich den Bedarf erhoben und dabei ist folgendes herausgekommen. 49 % sind dafür am Vormittag etwas gemeinsam zu unternehmen. 48 % sind an einer Betriebsbesichtigung in der Schokoladenfabrik interessiert. 3 % sind mit allem einverstanden. Mein Vorschlag lautet: wir treffen uns pünktlich 7:45 Uhr zur Abfahrt der Firma. Starten 8:50 Uhr mit einer kleinen Wanderung. 10:30 Uhr organisiert die Versandabteilung ein Frühstück. Wenn es regnet wird die Entwicklungsabteilung ein Zelt mit Sitzmöglichkeiten aufbauen. Mittagessen ist dann 12:00 Uhr im Gasthof Ochsen. Ihre obligatorische Ansprache können Sie dann vor dem Dessert 13:10 Uhr bis 13:25 Uhr einbringen. Die Schokoladenfabrik besichtigen wir von 14:30 Uhr bis 16:00 Uhr. Die Ankunft in der Firma ist für 17:20 Uhr geplant.

„Gut Herr G., dann schau ich mir das Ganze noch einmal in Ruhe an und wenn ich Fragen habe ruf ich Sie an.“

„Einen sehr gewissenhaften Chef haben wir, arbeitet überlegt und schaut sich die Details aufmerksam an“, berichtet er seinen Kollegen.

Die Herren D. I. S. und G. haben dem Chef eine Planung geliefert, mit der er zufrieden ist.

Interessant sind die Aussagen, die der Chef nach der Präsentation seinen Mitarbeitern vermittelt. Typgerecht lobt er Herrn D., erkennt die Faktenlage und entscheidet.

Herrn I. unterstützt er in seiner Begeisterung und spricht ihm sein Vertrauen aus. Herrn S. prüft er nach der Ausgewogenheit des Vorschlags, und wie bei Herrn G. entscheidet er nicht sofort. Herrn G. versichert er gewissenhafte Ausarbeitung.

Herr D. und I. akzeptieren eine schnelle Entscheidung, weil sie auch selbst schnell und zügig Entscheidungen treffen. Die Herrn S. und G. benötigen Zeit für Entscheidungen. Schnelle und spontane Entscheidungen sind für sie oft nicht genug ausgewogen.

Die Kombination macht’s!

Das Verhalten einer Persönlichkeit die gemäss des DiSG Test über einen hohen I Anteil, ausgeglichenen S sowie G Anteil und einen durchschnittlichen D Anteil verfügt, zeigt uns die Zusammenhänge der Kombination D -  i - S - G.

Das gesamte Verhaltensmuster zeigt bei diesem Typ auf einen typischen Motivator, der die Grundtendenz hat, andere zu akzeptieren. Er bewertet andere gerne aufgrund ihrer Wortgewandtheit. Beeinflussen wird er seine Kommunikationspartner durch Lob, Gefälligkeiten und der Möglichkeit mit Alternativen umzugehen. Er ist ein Mensch der Spannungen löst und sich selbst und andere fordert. Unter Druck  kann er nachlässig und unsystematisch agieren. Er leidet, wenn er gesellschaftliches Ansehen verliert und sein Selbstwert in Frage gestellt wird.

Motivatoren verfügen über ein umfassendes Netzwerk an Kontakten. Sie sind üblicherweise sehr gesellig, bewegen sich selbstbewusst im Kreis von anderen und schliessen schnell Kontakte. Sie kommunizieren sehr gerne und geben sich schon mal mit 80 % bei der Fertigstellung einer Aufgabe zufrieden. Mit ihrem Optimismus neigen Motivatoren dazu, die Fähigkeiten anderer zu überschätzen. Mit ihrer Begeisterungsfähigkeit schiessen sie manchmal über das Ziel hinaus oder verlieren durch die Begeisterung die eigentliche Aufgabe aus den Augen.

Durch Coaching und Anleitung können Motivatoren lernen, objektiver zu sein und mehr Wert auf Ergebnisse zu legen.

Fazit

Ein eigenes Verhaltensprofil bedeutet, die eigenen Stärken, Begrenzungen und Entwicklungspotentiale im Umgang mit sich selbst und anderen besser zu erkennen. Erst dadurch können entsprechende Potentiale erkannt und Verbesserungen umgesetzt werden.

Führungskräfte werden darauf sensibilisiert ihre persönlichen Präferenzen und Defizite in der Beziehungsgestaltung zu ihren Mitarbeitern anzuwenden. Angemessen und erfolgreich Führen sowie geführt zu werden, ist mit der richtigen Einstellung und aktuellem Wissen über das eigene Verhaltensprofil leichter möglich.

Kontaktinfo

Theo H. Koch

Name Theo H. Koch
Position Inhaber
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Adresse CH-8274 Gottlieben
Telefon +41 (0)78 851 04 59
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