Neue Segel setzen mit authentischer Führung
In Krisenzeiten und auch danach ist die Verunsicherung der Belegschaft groß. Hauptaufgabe der Führungskräfte ist es dann, Orientierung zu bieten, um Engagement und Leistungswille der Mitarbeiter zu sichern. Aber wie führen Chefs authentischer, glaubwürdiger und damit erfolgreicher?
Wenn die Krise wie ein Orkan über Unternehmen hinwegfegt, richtet sich der Blick der Mannschaft auf ihre Führungskräfte. Von diesen werden schlüssige Antworten zu folgenden Fragen erwartet: Welche Ziele verfolgen wir? Was ist es wert, die ganze Kraft aufzubringen? Was passiert mit unserem Unternehmen? Welche Aufgaben stehen an? Wohin soll die Reise gehen? Etc.
Noch wichtiger und dringlicher sind die Fragen, die sich die Mitarbeiter selbst stellen: Können wir uns auf das, was die Führung sagt, verlassen? Wird sie das genau tun, worüber sie redet? Können wir darauf vertrauen, dass sie uns so weit möglich in sichere Gewässer führt und uns gut vorbereitet auf die nächste, möglicherweise noch schwerere See? Ist die Führung ehrlich und offen in der Schadensbilanz, gibt sie glaubwürdig Rechenschaft über ihre vergangenen Entscheidungen? Ist sie bereit, auch über eigene Fehler zu sprechen? Hat sie authentisch vorgelebt, was sie von uns an Verlässlichkeit, Einsatz und Hartnäckigkeit verlangte? Steht sie zu ihren Versprechen und Beteuerungen, die sie machte, um uns zu großer Anstrengung zu motivieren? Wie hilft sie uns, «Sinn» darin zu finden, unser Schiff wieder hochseetauglich zu machen»
Diese Fragen und Gedanken sind in der jetzigen wirtschaftlichen Situation von zentraler Bedeutung, wenn es um das Verhältnis der Mitarbeiter zu ihrer Führung geht – auf allen Führungsebenen. Wenn Sie möchten, dass Ihnen Ihre Mannschaft auf den neuen Kurs folgt, dann sollten Sie auf diese Fragen glaubwürdige Antworten finden.
Selbsterkenntnis als Grundvoraussetzung
Ihre Glaubwürdigkeit und Authentizität sind also gefragt. Authentisch sein, also echt, wahrhaftig sein, hat sehr viel mit dem berühmten Satz zu tun, der in eine Säule der Eingangshalle des Apollon-Tempels zu Delphi gemeißelt ist: „gnothi seauton“ – erkenne dich selbst! Sich selbst kennen, sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein, bewahrt davor, als Abziehbild irgendeines Führungsmodells oder Vorbilds als unecht abqualifiziert zu werden. Erst wenn Sie wissen, dass Sie keine «Rolle» spielen müssen, werden Sie «würdig», dass Mitarbeiter Ihnen glauben und Ihnen deshalb freiwillig folgen.
Übrigens werden folgende «Rollen» im Film: ‚Ich bin die gute Führungskraft‘ besonders gern besetzt: Verständnisvoller Papa oder Mutter-Theresa, die Helferin, der Entertainer, harter Hund oder der Lonesome Rider, Ich-bin-Einer-von-Euch, der Perfekte oder der Ich-kann´s-besser, der beste Fachmann oder der Sachverwalter, der Bluthund des Vorstandes oder Aufsteiger des Jahres.
Überprüfen Sie also Ihre Glaubwürdigkeit, bevor Sie erwarten, dass Sie als glaubwürdige Autorität von Ihren Mitarbeitern anerkannt werden. Ihre Mitarbeiter werden Ihre Authentizität prüfen, um (wieder neues) Vertrauen in Sie zu gewinnen.
Die «Nagelproben» für authentisches Führungsverhalten sind:
- Kommunikation: Schaffen Sie es, auch in Konflikten oder anderen schwierigen Situationen eine nicht eskalierende Beharrlichkeit zu zeigen? Damit ist gemeint, dass es Ihnen gelingt, Ihre Positionen oder Forderungen in gleichbleibender Lautstärke, Intensität oder Wortwahl zu formulieren, auch wenn Sie sie immer wieder äußern müssen. Sprechen Sie Fehlverhalten und –leistungen direkt und offen an? Sprechen Sie dann von «ich» statt «man» oder «es»? Drücken Sie Ihre Emotionen angemessen aus, so dass Ihre Mitarbeiter angstfrei wahrnehmen können, wenn Sie wütend oder ärgerlich sind? Sagen Sie klar und deutlich auch «nach oben» Nein, wenn es erforderlich ist?
- Entscheidungen: Tragen Sie Entscheidungen des Unternehmens auch aktiv und konstruktiv mit, wenn sie nicht Ihrer eigenen Meinung entsprechen – und kommunizieren Sie das auch «nach oben»? Stehen Sie zu Ihren Entscheidungen, auch wenn der Gegenwind stärker wird? Können Sie sie auch zurück nehmen, wenn sie offensichtlich falsch sind, und freuen Sie sich dann wirklich über die gelungene Korrektur? Bedanken Sie sich ehrlich bei denen, die diese Korrektur mit Ihrem Einspruch ermöglichten?
- Handlungen: Lehnen Sie klar und deutlich verlockende Angebot jenseits Ihrer eigenen Überzeugungen ab? Tun Sie das, was Sie immer «predigen», verlässlich selbst? Können Mitarbeiter erleben, dass Sie «wert»voll agieren, dass Sie also Werte zum Ausdruck bringen und ihnen entsprechend handeln?
In diesen Situationen werden Sie erkennen können, ob Sie ein Glaubwürdigkeitsdefizit haben. Bitten Sie Ihre Mitarbeiter um Feedback, wie sie Sie gerade dann erleben. Auch an der «Echtheit» dieser Rückmeldungen können Sie feststellen, wo Sie stehen.
Vielleicht regt Sie solch ein Feedback ja an, an Ihrer Wahrhaftigkeit zu arbeiten. Wenn Ihnen dieser Gedanke kommt, eines vorweg: Überlegen Sie sich das gut, denn Sie sind im Begriff, ein vielleicht lebenslanges – und nicht selten risikoreiches – Entwicklungsprogramm zu starten! Es kann sein, dass Sie mit diesem Vorhaben einiges nicht nur in Ihrem eigenen Leben durcheinander bringen. Also: Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie starten.
Wenn Sie sich dafür entscheiden, an sich zu arbeiten, werden Ihnen folgende Aufgaben in verschiedenen Varianten und Wiederholungen immer wieder begegnen.
Die 7 Schritte zur authentischen Persönlichkeit
- Bilanz: Vergleichen Sie ehrlich Selbst- und Fremdbild. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, wie sie Sie wahrnehmen in Bezug auf Ihr Verhalten, Ihr Reden und Handeln. Werden Sie ganz anders von Ihren Mitarbeitern gesehen, als Sie vermuten oder als Sie von ihnen erlebt werden möchten, dann stellen Sie sich folgende Frage:
- Konsequenz 1: Welche Überzeugungen und Glaubenssätze über sich müssten Sie deshalb ändern? Denn: Wahr ist auch, wie sie die anderen «wahr»nehmen. Welche Differenz zwischen dem, wie Sie sich sehen und wie Sie gesehen werden, möchten Sie ändern, welche Entwicklungsschritte ergeben sich daraus? Aber wo möchten Sie bleiben, wie Sie sind? Deshalb:
- Konsequenz 2: Welche positiven und negativen Urteile über sich werden Ihnen unwichtig? Bei welchen Verhaltensweisen oder Überzeugungen wäre es Ihnen auch weiterhin egal, wie Sie gesehen und beurteilt werden? Machen Sie sich bewusst, was Ihnen im Kontakt mit Ihren Mitarbeitern wirklich wichtig ist. Deshalb:
- Bewusstmachung 1: Was ist mir wirklich wichtig, was soll wer an meinem Grab über mich sagen? Diese auf den ersten Blick vielleicht etwas brutale Perspektive könnte Ihnen helfen. Vom Ende des Lebens aus gesehen ist es manchmal einfacher zu entscheiden, wer und was einem wirklich wichtig ist. Aus dieser Sicht heraus können Sie dann auch Ihre Überzeugungen und Wertvorstellungen überprüfen, in wie weit sie Ihnen dienlich sind.
- Bewusstmachung 2: Was genau an mir lerne ich zu akzeptieren und zu lieben? Selbstakzeptanz als Entwicklungsbeschleuniger. Sie werden feststellen, dass Sie einige «Macken» oder «Schrullen» an sich selbst nur sehr schwer verändern können. Deshalb stellt sich dann die Frage, ob es nicht besser für Sie wäre zu lernen, sich so, wie Sie sind, zu akzeptieren. Das nennt man dann das große Programm der Selbstliebe. Denn: Wie können Sie erwarten, von Ihren Mitarbeitern akzeptiert zu werden, wenn Sie das in Bezug auf sich selbst nicht auch tun? All diese Entwicklungsschritte helfen wenig, wenn Sie nicht wissen, wie Sie das heraus bekommen zu wissen, was Ihnen wirklich wichtig ist und wer Sie letztendlich wirklich sind. Deshalb:
- Selbstkontakt: Wie weiß ich, was mir wirklich wichtig ist? Intuition und Gefühle als Ariadne-Faden, der Verstand als Kommentator und Archivar. Ein guter Kontakt zu Ihnen selbst, zu Ihren Gefühlen, Stimmungen und Gedanken lässt Sie sicher sein zu wissen, wer Sie sind und was Sie «echt» wollen. Dieser Ariadne-Faden ist der Weg zu Ihrem inneren Kompass, aus dem heraus Sie sich glaubwürdig und ehrlich verhalten können. Ihr Verstand lässt Sie dann das gedanklich einsortieren und formulieren, was authentisch ist. Und schließlich:
- Entscheidung: Ich respektiere mich und andere so, wie wir sind. Wenn Sie sich so respektieren, wie Sie sind, dann können Sie das auch leichter bei Ihren Mitarbeitern tun.
Das Ergebnis: Ihnen wird Respekt entgegen gebracht, weil Ihr Umfeld erlebt, dass Sie echt sind. Diese Wertschätzung und Achtung bewirkt, dass Ihnen Ihre Mitarbeiter freiwillig folgen, weil Sie eben vertrauenswürdig und verlässlich sind.
Coaching als Methode der Wahl
Authentisches Führen glaubwürdiger Persönlichkeiten folgt besonders in und nach schwerer See keinem standardisierten Führungsmodell oder Management by…, sondern entspringt aus der unverwechselbaren Individualität des Führenden.
Können Sie sich vorstellen, dass dann ein «Glaubwürdigkeitstraining» oder –seminar hilfreich wäre? Wohl kaum. Dieses Thema braucht einen vertrauensvollen, persönlichen Rahmen, Vier-Augen-Gespräche, einen individuellen Experimentierraum und die volle Aufmerksamkeit des Begleiters. Coaching ist also die Methode der Wahl. Es garantiert am besten, dass Ihre individuellen Fragestellungen und Entwicklungsschritte in Ihrem beruflichen und privaten Kontext bearbeitet werden. Gönnen Sie sich also Ihre unverwechselbare Persönlichkeit – Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken!
BUCH ZU, THEMA
Helmut Kraft:
Fische haben Feinde, Fischstäbchen nicht – Überlebensstrategien fürs Büro – So wehren Sie sich gegen Feinde
www.fische-haben-feinde.de